Tag Archives: Palästina

Pragmatismus heilt den Nahen Osten

Ein wohltuend nüchterner Kommentar vom ehemaligen Leiter der Yad Vashem Holocaust-Gedenkstätte und Forschungszentrum, Yehuda Bauer, zur bevorstehenden UNO-Abstimmung über die Anerkennung eines palästinensischen Staates. Solche Leute sollte man an Verhandlungen schicken…

Aus Süddeutsche Zeitung

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Israel: Welche Art von Staat wird es sein?

Ein Artikel von Uri Avneri, ehemaliger Soldat der zionistischen Bewegung in der jüdischen Heimstätte (wo kurz darauf, 1948, der Staat Israel ausgerufen wurde), Mitglied der Knesset, Gründer der Friedensbewegung Gush Shalom und Autor.

Artikel auf Telepolis, auf Deutsch:
“… Nämlich den Staat Israel”

And the same article on Gush Shalom, in English:
“… Namely the State of Israel”

Im Artikel blickt Avneri zurück auf die Anfänge eines Krieges, an dem er selber Teil genommen hat, um arabische Bewohner Palästinas zu vertreiben (auf Arabisch “Al Nakba” genannt – die Katastrophe). Ein Krieg, der seither nicht mehr aufgehört hat. Avneri schreibt über das, worauf er in Israel stolz ist, und darüber, was er bedauert. Er stellt sich dabei vor, was sein Schwager Issar, der in den Kämpfen starb, heute zu Israel sagen würde. Diesen Monat feiert Israel ja schon sein 60-jähriges Bestehen. Avneris Ansatz ist deshalb besonders erfrischend, weil für ihn das Wohlergehen Israels nicht das Glück anderer ausschliesst, und umgekehrt. Er bricht die Entweder-Oder-Logik auf, die uns Glauben macht, dass es nur die einen oder die anderen geben könne, dass es sowieso nur zwei Läger gäbe, und spricht dafür von einer gemeinsamen Zukunft, die möglich ist. Vorausgesetzt, es findet ein Umdenken statt, wofür das Land eigentlich stehen soll, welche Werte es verteidigt, und wie es seine eigene Geschichte bewertet.

Annexation disguised as security

Die “Trennmauer”, mit der Land annektiert und die Bewegungsfreiheit der PalästinenserInnen einmal mehr massiv eingeschränkt wird – im Namen der Sicherheit. Zur Zeit ist die Trennanlage über 700 km lang.
(Bild von Gush Shalom)

Ein paar Auszüge aus dem Artikel:

Am meisten wäre [Issar] bei der Entdeckung erschrocken, dass der brutale Krieg, der ihn tötete und mich verwundete, wie Tausende andere, immer noch in vollem Gange ist. Er bestimmt das ganze Leben der Nation. Er füllt die ersten Seiten der Zeitungen und steht zu Beginn aller Nachrichtenprogramme. Dass unsere Armee, die Armee, die einmal wirklich “wir” war, etwas völlig anderes geworden ist, eine Armee, deren Hauptbeschäftigung es ist, ein anderes Volk zu unterdrücken.

[…]

Vor dieser historischen Tatsache gibt es kein Entrinnen: Israels Unabhängigkeitstag und der palästinensische Nakba-( Katastrophen-)Tag sind die beiden Seiten ein und derselben Münze. In 60 Jahren ist es uns nicht gelungen – tatsächlich haben wir es nicht einmal versucht -, den Knoten aufzulösen, um eine andere Realität zu schaffen.
Und so geht der Krieg weiter.

[…]

Für den 60.Unabhängigkeitstag bildete sich ein Komitee, das für dieses Ereignis ein Emblem wählte. Das, was schließlich ausgewählt wurde, könnte ebenso gut auch für Coca Cola oder einem Eurovision-Liederwettbewerb passen.

Das wirkliche Emblem dieses Staates ist ganz anders, und kein Bürokratenkomitee musste es erfinden. Es ist fest mit dem Boden verbunden und man sieht es schon von weitem: die Mauer. Die Trennungsmauer.

[…]

Die Mauer ist nicht nur ein Bau aus Beton und Stacheldraht. Mehr als alles andere ist solch eine Mauer, wie jede Mauer, ein ideologisches Statement, eine Absichtserklärung, eine psychische Realität. Die Erbauer erklären damit, dass sie mit Leib und Seele zu einem Lager gehören – zum westlichen -, und dass auf der anderen Seite der Mauer die andere, die entgegen gesetzte, die feindliche Welt beginnt, die Massen der Araber und Muslime.

[…]

Ich mache mir keine Sorgen über die Existenz des Staates Israel. Er wird so lange existieren, wie Staaten existieren. Die Frage ist nur: Welche Art von Staat wird es sein?

Ein Staat mit permanentem Krieg, der Schrecken seiner Nachbarn, ein Staat, in dem Gewalt alle Lebensbereiche durchdringt, wo die Reichen gedeihen und die Armen im Elend leben; ein Staat, der von seinen besten Kindern verlassen wird …

Oder ein Staat, der im Frieden mit seinen Nachbarn lebt – zum gegenseitigen Nutzen aller; eine moderne Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle seine Bürger und ohne Armut; ein Staat, der seine Ressourcen in Wissenschaft und Kultur, Industrie und Umwelt investiert; ein Staat, in dem künftige Generationen gerne leben wollen; eine Quelle des Stolzes für alle seine Bürger.

Hier noch ein paar Bilder zum “Sicherheitszaun” bzw. zur “Apartheidmauer”, je nachdem, wen man fragt.

(Sorry, schon wieder sowas ernstes…)

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