Category Archives: Schöner Wohnen

Die überflüssige Schweiz

In der WOZ vom 2. Oktober findet sich ein gekürzter Vorabdruck des ersten Kapitels von Die überflüssige Schweiz. Eine Denknetz-Streitschrift. Das Buch argumentiert inwiefern sich die Schweiz dank neoliberalem Ausverkauf an die Konzerneliten und Finanzinstitute sowie asozialem, fremdenfeindlichem Diskurs selber abschafft, eben, sich überflüssig macht. Aus dieser Sackgasse zeigt Denknetz Auswege, um die Schweiz neu zu erfinden.

Daraus wiederum muss ich folgende Zeilen hervorheben, weil sie an Prägnanz und Treffsicherheit kaum zu überbieten sind.

Hier kommt die SVP ins Spiel. Mit einem Amalgam aus Jodeln, Mundart, Schwingerschweiss, direkter Demokratie, Landluft, Schlitzohrigkeit und Emmental kreiert sie die Vorstellung eines “Volkes”, das sich gegen die Zerstörung von aussen wappnen muss. Sie schafft es, die Geschichte einer binnenorientierten, “ländlich-agrarischen Schweiz” mit einer grenzenlosen, transnationalen, alle Bereiche des Lebens durchdringenden Wirtschaftsordnung zu verbinden – wie wenn es zwischen diesen Weltbildern keine offentlichtlichen Widersprüche gäbe. …

In scheinbar paradoxer Weise wirken beide Strömungen darauf hin, die Schweiz überflüssig zu machen. Die Businesseliten sind der Hammer, der Amboss ist die SVP, und die Bevölkerung ist dazwischen – jedenfalls solange sie sich nicht aus dieser Lage zu befreien vermag.

Short link: http://wp.me/p9D8b-hO

Advertisements

Leave a comment

Filed under quote of the..., Schöner Wohnen, [andbehold]

Kinderspiel: Sammelaktion für Kinder in Asylzentren in Basel

Wer in den letzten Tagen die Zeitung durchgeblättert hat, ist bestimmt auch auf die Meldung gestossen, dass AsylbewerberInnen in der Unterkunft Hochfeld in Bern gegen die Zustände in der unterirdischen provisorischen Bleibe protestierten. (Vollartikel hier. Newsnetz)

Am schlimmsten scheint es die Kinder zu treffen. Die Rede ist von circa 24 Kindern im Alter von 1 bis 15 Jahren. Zur genauen Anzahl gibt der kantonale Migrationsdienst keine Auskunft. Laut Aussagen einer Asylbewerberin und Mutter gibt es für die Kleinen weder Spielsachen noch eine kindergerechte Infrastruktur. Dazu komme, dass die Kinder nicht auf dem Pausenplatz und dem nahegelegenen Spielplatz spielen dürften. Sie litten unter Schlafstörungen. «Es ist laut, der Fernseher ist die ganze Nacht eingeschalten», sagt sie.

Die Bewegungsmelder in den Schlafzimmern sorgten dafür, dass das Licht bei jedem, der hinausgeht oder hereinkommt, einschalte und alle aufwecke, so eine ehrenamtliche Helferin. «Die Kinder wissen nicht mehr, wann Morgen und wann Abend ist.» Falls sie doch einmal schlafen und deshalb das Essen verpassen, müssen sie, laut der Frau, bis zur nächsten Mahlzeit mit knurrendem Magen ausharren.

Aufgerüttelt durch solche Zustände haben sich ein paar engagierte Leute spontan entschlossen, für diese Kinder, und solche in ähnlichen Situationen wenigstens etwas zum Spielen oder Lesen zu organisieren. Der Aufenthalt in einem Aufnahmezentrum, während der Asylprozess läuft, ist sicher schon verstörend genug für Kinder und Jugendliche. Die Reise bis in die Schweiz kann ich mir nicht einmal vorstellen, und die ungewisse Zukunft hilft da sicher auch nicht, um die Stimmung zu heben. Das Mindeste ist, dass die Kinder wenigstens ein paar nette Spielsachen und Büchlein haben, um die Zeit etwas erträglicher zu gestalten und um etwas Kindheit zurückzugewinnen. Ein Paket für die Kinder im Hochfeld ist schon unterwegs. Weitere Leute sammeln für Kinder von AsylbewerberInnen in ihren Städten. So auch ich.

Für das Erstaufnahmezentrum im Gundeli, in Basel, sammle ich gut erhaltene, einfache aber solide Spielsachen und Kinderbücher für Kinder und Jugendliche.
Wer etwas abzugeben hat, darf sich bitte bei mir melden. Es muss nicht viel sein. Ein Puzzle, eine Puppe, ein-zwei Bücher, eine Kiste Lego, oder auch Malsachen sind schon super.

Bei Büchern möchte ich zu bedenken geben, dass zwar alle AsylbewerberInnen einen Deutschkurs besuchen. Doch sollte man gerade bei Neuankömmlingen von eher bescheidenen Sprachkenntnissen ausgehen. Bilderbücher sind vielleicht eher geeignet. Die grössten Herkunftsländer der BewohnerInnen sind übrigens Eritrea, Afghanistan und Syrien.

Meldet euch bei mir per Mail bei kinderspiel[at]nurfuerspam.de, oder per Kommentar zu diesem Post. Je nach Möglichkeiten komme ich die Sachen selber abholen, oder ich gebe die Adresse durch, wo man die Sachen abgeben kann. Der Heimleiter freut sich bereits!

Hier noch ein paar Infos zum Asylverfahren in Basel-Stadt.

Herzlichen Dank.

Leave a comment

Filed under but seriously..., Schöner Wohnen, [andbehold]

Mit David Cameron geht es steil vorwärts…

… allerdings nicht gegen oben…

Dass die vielbeschworene “public-private partnership” (PPP) oder schlichtweg Privatisierung von staatlichen Infrastrukturen und Dienstleistungen in einem teuren, ärgerlichen Debakel endet, könnte man auf der Insel schon spätestens dann wissen, seit die Regierung die völlig verlotterten Zuglinien wieder zurückkaufen musste, die man in den 90er-Jahren privatisiert hatte.

Über den Erfolg solcher PPPs ein aktueller Artikel aus der NZZ.

Kurzum: Öffentlich-private “Partnerschaften” führen in der Regel zu leicht höheren Ausgaben auf staatlicher Seite, während die privaten “Partner” meist kaum Rechenschaft über ihr Geschäft ablegen müssen, dafür aber eine satte Rendite einfahren.

Doch weil die Wirtschaftskrise in Grossbritannien offenbar nicht auf die Sich-Verspekulanten in der City abgeladen, sondern genau für diese ausgeschlachtet werden soll, fordert die Tory-LibDem-Regierung nun Privatisierungen, unter anderem von Autobahnabschnitten, wie es früher schon mit der Wasserversorgung getan wurde, und sie kürzlich grössere Berücksichtigung privater Spitäler neben dem staatlichen NHS eingeführt hat, während die Sozialbezüge der weniger gut Betuchten heruntergefahren werden sollen. Als Schuhlöffel in diesen letzteren, engen Massnahmenstiefel griff die Regierung dankbar die Ausschreitungen in britischen Städten letztes Jahr auf. Ich nenne es blinde Kollektivstrafe, die Regierung nennt es einen Anreiz zu Produktivität.

In einer Ansprache vor geschlossener Gesellschaft gestern hat die britische Botschafterin der Schweiz die Einschnitte im Sozialwesen so ausgedrückt: “Um die Sozialbezüge in ein Sicherheitsnetz umzugestalten, und nicht zu einem Lebensstil zu machen.” Wieder der eklige Dauervorwurf des Schmarotzertums während die Regierung ihre Pfünde an die Erstbesten verscherbelt und die Vormacht des Staates wie die eigene finanzielle Grundlage sabotiert.

Und es geht einfach so weiter: Das Rezept des heutigen “Budget Day” heisst höhere Abgaben auf Zigaretten und Stempelgebühren auf Anwesen im Wert von über £2 Mio., und dafür die Unternehmenssteuern von 24 auf 22% senken, sowie den Maximalsteuersatz der Einkommenssteuer von bisher 50 auf 45% runterschrauben. Der Finanzminister Osborne hält dagegen, dass der Freibetrag, ab dem Steuern überhaupt fällig werden, neu um £1’000 erhöht wird. In Osbornes Welt heisst das, die Armen sind von der Einkommenssteuer befreit. Um das wettzumachen, darf man bei den Pensionierten und den Kindergeldern schon nochmal was rausstreichen, sonst verwöhnt man die ungewaschenen Massen doch nur wieder.

Was Nick Clegg, der Juniorpartner in dieser Koalitionsregierung zwischen Tory und Liberal Democrats in einem Anfall von Stockholmsyndrom ein “Robin Hood Budget” zu nennen vermag, ist für den Vorsitzenden der Labour Ed Miliband genau das umgekehrte.

‘Millions pay more while millionaires pay less’
und
‘Today is the end of ‘we’re all in it together’

Wobei der Gemeinschaftssinn dieser Regierung genau genommen nicht erst seit heute zu wünschen übrig lässt. Heute ist nur eine neue Gelegenheit, nochmal eindrücklich unter Beweis zu stellen, wem die Volksvertreter in Tat und Wahrheit zudienen.

Und die Regierung muss endlich aufhören, ihre Politik mit “austerity” zu überschreiben. Denn Sparsamkeit und Einschränkungen bei der Mehrheit anzusetzen, die um ihre Arbeitsplätze bangt und kaum ihre Rechnungen zahlen kann, und nun auch noch die Steuersenkungen derjenigen finanzieren muss, die unter “Geldsorgen” nur die Sorge um ihr vieles Geld verstehen, ist nur eine etwas bürokratischere Art, dem Schuhputzer nach getaner Arbeit ins Gesicht zu spucken und sich mit den neu glänzenden Schuhen in den Golfclub chauffieren zu lassen.

Leave a comment

Filed under Demokratie, econopocalyshit, ignance in power, lying bull, nadshots, Schöner Wohnen, Schmiergeld, [andbehold]

Pragmatismus heilt den Nahen Osten

Ein wohltuend nüchterner Kommentar vom ehemaligen Leiter der Yad Vashem Holocaust-Gedenkstätte und Forschungszentrum, Yehuda Bauer, zur bevorstehenden UNO-Abstimmung über die Anerkennung eines palästinensischen Staates. Solche Leute sollte man an Verhandlungen schicken…

Aus Süddeutsche Zeitung

Leave a comment

Filed under but seriously..., Demokratie, ignance in power, Schöner Wohnen, [andbehold]

Mitts up for Romney!

In his recurring and stellar segment “The Word”, Stephen Colbert makes a case for Mitt Romney’s presidential candidacy. After all, with the kind of record as a business man that Romney boasts, America can only turn out a lot slimmer, healthier and more profitable. – Or, then again, not.

If only his companies still existed to tell their stories of success.

(Click image for the video.)

Romney 2012 - Sometimes Good

Leave a comment

Filed under but seriously..., Demokratie, econopocalyshit, ignance in power, lying bull, Schöner Wohnen, [andbehold]

On free backrubs online

Charlie Brooker takes the music streaming service Spotify (free for basic quota, paid for more or unlimited songs) as an opportunity to delve into the psyche of internet freeloaders who only seem to be reasonably satisfied if absolutely everything they’ve ever wished for is available for free at top notch quality with whipped cream and a cherry on top – forever.

Technology has left us hopelessly spoiled. We whine like disappointed emperors the moment it does anything other than pander to our every whim. If the internet gave free back rubs, people would complain when it stopped because its thumbs were sore.

I was going to give Spotify a free test-run myself, but it’s not available in my country. And they’re lagging behind on a free Linux version, too. Now that’s the last straw…

[Insert angry, hissy fit here.]

Leave a comment

Filed under but seriously..., Schöner Wohnen, sing along, [andbehold]

Aernschd Born – Fukushima Shuffle

Der Basler Liedermacher und Aktivist für Nie wieder Atomkraftwerke (NWA) Aernschd Born bringt’s singend und klampfend auf den Punkt. Für Ausserbasler sogar mit Untertiteln. Hat richtig Schmiss, wie die Alten früher sagten.

Das Lied sang er übrigens am vergangenen Ostermontag an der Demonstration des Basler Dreiländerecks gegen das Atomkraftwerk Fessenheim, das älteste Frankreichs, unpraktisch schön zentral zwischen Basel, Colmar, Mulhouse und Freiburg gelegen.

Leave a comment

Filed under but seriously..., ignance in power, Schöner Wohnen, sing along, uhh..., [andbehold]

Nuclear Age

Being at the cutting edge of new developments, not once but twice, has its price. I’m tempted to say let others stop just talking about it and try what it’s really like. But just to prove humans can actually learn from one another’s errors, we should probably just let this project fizzle out ASAP and leave it at that.

But enough of the cheap sarcasm

Donate for Japanese victims of the catastrophes

Leave a comment

Filed under but seriously..., ignance in power, Schöner Wohnen, Schmiergeld, [andbehold]

Israeli soldiers breaking the silence

It is an open secret that the Israeli occupation of the West Bank mocks the notion of Israel being a democracy. Well, unless you are a majority member of the Knesset, of course, or you’re on AIPAC’s payroll, then that would be outrageous news to you.

Criticism of the occupation can be heard from all sorts of people around the world, civilian and official, more notably from the International Court of Justice in The Hague to the World Bank and the UN General Assembly. The generic answer to the allegations usually take the “well, you don’t know what it’s like to be threatened by the Arab world” or the “we won’t let THAT happen to us again” approach, alluding to the Shoa, aka the Holocaust. In summary, people who protest against the occupation of Palestinian lands are labelled outsiders talking from a high horse, or as even outright hating Jews in general.

So it’s particularly refreshing to hear detailed, vivid reports of first-hand experience from people who should really know best: Israeli soldiers occupying the West Bank and the Gaza Strip from 2000-2010. They are young kids doing their military service in order to grant Jewish settlers their boundless freedoms inside and around the settlements, which apparently means humiliating and brutalizing the Palestinian population for little or no reason at all, just to make sure they don’t start to feel at home on their land… or make it past the age of 40. So much most of us know already. But what that looks like in your everyday routine as a soldier of the “Israel Defense Force” comes to life in verbatim interviews with soldiers looking back at their service. If you’re going to believe anyone, it’s probably the people who committed the murders took part in the operations and pulled the triggers, beat the snot out of elderly villagers and just simply made regular, harmless people’s lives miserable. Because it would be too boring a day without. Take their word for it.

The NY Review of Books article is here.

An advance version of the book of interviews can be found here (pdf).

Read a (relatively harmless) excerpt now…

Continue reading

Leave a comment

Filed under but seriously..., Demokratie, ignance in power, Law and Ordure, lying bull, nadshots, Schöner Wohnen, [andbehold]

Gegenvorschlag zur Ausschaffungsinitiative

Schon die Vorstellung, dass ein sogenannter demokratischer Rechtstaat ein separates Ausländerrecht aufstellt und damit mit verschieden langen Ellen misst, ist in sich absurd. Ausserdem widerspricht es dem Grundsatz der Rechtsgleichheit.

Das dämliche am offiziellen Gegenvorschlag zur SVP-Initiative ist, dass auch dieser dieselbe kranke Logik anwendet wie das, worauf er reagiert, indem er gegenüber ausländischen GesetzesbrecherInnen andere Sanktionen zu verhängen sucht, als gegenüber Schweizer BürgerInnen. Die beiden Optionen sind eigentlich nur zwei Geschmacksrichtungen desselben, ekligen Breis. Die Scheindebatte wird geprägt von jenen, die den Rechtstaat systematisch demontieren, und die “Gegenseite” leistet dazu fatalerweise regelmässig Hilfe, statt eine echte alternative Vision zu entwerfen und die Grundfesten des Staates zu verteidigen. “They say jump, you say ‘how high?'”

Diese Vorstellung, dass Leute, die kein Schweizer Bürgerrecht haben (oder noch nicht sehr lange) deswegen nicht als Gleiche unter Gleichen hier leben dürfen, ist schon so fest verankert, dass uns die Perversion daran nicht mal mehr auffällt. Als nächstes kommt dann die Ausbürgerung von Second@s und Tercer@s, frei nach der Vererbungslehre à la SVP.

Der Arierausweis ist nur noch eine Frage von Monaten.

Hier eine Stellungsnahme der Demokratischen JuristInnen der Schweiz

Denn es geht auch anders. Ein wirklicher Gegenvorschlag, der mit der menschenfeindlichen Logik des “Andere raus!” bricht, könnte so aussehen, wie Franz Hohler es formuliert…

Ausländerrecht
Gegenvorschlag
Von Franz Hohler
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
Art. 121 Abs. 3–5 (neu)
I
3 Im Wissen darum, dass ohne sie a. weder Häuser, Strassen noch Tunnels gebaut würden, b. weder Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Hotels und Restaurants betrieben würden, c. weder Abfall, Reinigung, Verkehr und Informatik bewältigt würden, bedankt sich die Schweizerische Eidgenossenschaft bei allen Ausländerinnen und Ausländern, die hier arbeiten. Sie gibt ihrer Freude darüber Ausdruck, dass sie mit ihrer Tätigkeit das Leben in unserem Lande ermöglichen, und heisst sie als Teilnehmer dieses Lebens willkommen.
4 Sie hofft, dass es ihnen gelingt, sich mit den hiesigen Gebräuchen vertraut zu machen, ohne dass sie ihre Herkunft verleugnen müssen.
5 Sollten sie straffällig werden, unterliegen sie denselben gesetzlichen Bestimmungen wie die Schweizer Bürgerinnen und Bürger.
II
Übergangsbestimmungen: Dieser Gegenvorschlag bedarf nicht der Volksabstimmung. Er tritt für jedermann vom Moment an in Kraft, da er dessen Richtigkeit erkannt hat.

Leave a comment

Filed under but seriously..., Demokratie, ignance in power, Law and Ordure, lying bull, nadshots, Schöner Wohnen, [andbehold]