Category Archives: econopocalyshit

Mit David Cameron geht es steil vorwärts…

… allerdings nicht gegen oben…

Dass die vielbeschworene “public-private partnership” (PPP) oder schlichtweg Privatisierung von staatlichen Infrastrukturen und Dienstleistungen in einem teuren, ärgerlichen Debakel endet, könnte man auf der Insel schon spätestens dann wissen, seit die Regierung die völlig verlotterten Zuglinien wieder zurückkaufen musste, die man in den 90er-Jahren privatisiert hatte.

Über den Erfolg solcher PPPs ein aktueller Artikel aus der NZZ.

Kurzum: Öffentlich-private “Partnerschaften” führen in der Regel zu leicht höheren Ausgaben auf staatlicher Seite, während die privaten “Partner” meist kaum Rechenschaft über ihr Geschäft ablegen müssen, dafür aber eine satte Rendite einfahren.

Doch weil die Wirtschaftskrise in Grossbritannien offenbar nicht auf die Sich-Verspekulanten in der City abgeladen, sondern genau für diese ausgeschlachtet werden soll, fordert die Tory-LibDem-Regierung nun Privatisierungen, unter anderem von Autobahnabschnitten, wie es früher schon mit der Wasserversorgung getan wurde, und sie kürzlich grössere Berücksichtigung privater Spitäler neben dem staatlichen NHS eingeführt hat, während die Sozialbezüge der weniger gut Betuchten heruntergefahren werden sollen. Als Schuhlöffel in diesen letzteren, engen Massnahmenstiefel griff die Regierung dankbar die Ausschreitungen in britischen Städten letztes Jahr auf. Ich nenne es blinde Kollektivstrafe, die Regierung nennt es einen Anreiz zu Produktivität.

In einer Ansprache vor geschlossener Gesellschaft gestern hat die britische Botschafterin der Schweiz die Einschnitte im Sozialwesen so ausgedrückt: “Um die Sozialbezüge in ein Sicherheitsnetz umzugestalten, und nicht zu einem Lebensstil zu machen.” Wieder der eklige Dauervorwurf des Schmarotzertums während die Regierung ihre Pfünde an die Erstbesten verscherbelt und die Vormacht des Staates wie die eigene finanzielle Grundlage sabotiert.

Und es geht einfach so weiter: Das Rezept des heutigen “Budget Day” heisst höhere Abgaben auf Zigaretten und Stempelgebühren auf Anwesen im Wert von über £2 Mio., und dafür die Unternehmenssteuern von 24 auf 22% senken, sowie den Maximalsteuersatz der Einkommenssteuer von bisher 50 auf 45% runterschrauben. Der Finanzminister Osborne hält dagegen, dass der Freibetrag, ab dem Steuern überhaupt fällig werden, neu um £1’000 erhöht wird. In Osbornes Welt heisst das, die Armen sind von der Einkommenssteuer befreit. Um das wettzumachen, darf man bei den Pensionierten und den Kindergeldern schon nochmal was rausstreichen, sonst verwöhnt man die ungewaschenen Massen doch nur wieder.

Was Nick Clegg, der Juniorpartner in dieser Koalitionsregierung zwischen Tory und Liberal Democrats in einem Anfall von Stockholmsyndrom ein “Robin Hood Budget” zu nennen vermag, ist für den Vorsitzenden der Labour Ed Miliband genau das umgekehrte.

‘Millions pay more while millionaires pay less’
und
‘Today is the end of ‘we’re all in it together’

Wobei der Gemeinschaftssinn dieser Regierung genau genommen nicht erst seit heute zu wünschen übrig lässt. Heute ist nur eine neue Gelegenheit, nochmal eindrücklich unter Beweis zu stellen, wem die Volksvertreter in Tat und Wahrheit zudienen.

Und die Regierung muss endlich aufhören, ihre Politik mit “austerity” zu überschreiben. Denn Sparsamkeit und Einschränkungen bei der Mehrheit anzusetzen, die um ihre Arbeitsplätze bangt und kaum ihre Rechnungen zahlen kann, und nun auch noch die Steuersenkungen derjenigen finanzieren muss, die unter “Geldsorgen” nur die Sorge um ihr vieles Geld verstehen, ist nur eine etwas bürokratischere Art, dem Schuhputzer nach getaner Arbeit ins Gesicht zu spucken und sich mit den neu glänzenden Schuhen in den Golfclub chauffieren zu lassen.

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Thatcher hat’s ja gesagt…

Kommentar zu Brendan O’Neill’s “Nihilismus und Entfremdung” über die jüngsten Ausschreitungen in Grossbritannien im Schweizer Monat (Übersetzung seines Beitrags auf Spiked.)

Kleiner Auszug:

Der politische Kontext dieser nun seit Tagen andauernden Unruhen besteht ebensowenig aus den Einschnitten ins Sozialsystem wie aus einem besonders rassistisch gearteten Polizeiapparat – stattdessen war es der moderne Wohlfahrtsstaat, der eine Generation herangezüchtet hat, die absolut keinen Gemeinsinn und erst recht keinen Sinn für Solidarität mehr hat: bei dem, was wir auf den Strassen von London und nun auch anderswo sehen, handelt es sich um vom Wohlfahrtsstaat alimentierte Mobs. […]

Kindische Destruktivität greift als Erklärung der Motivation der Aufständischen aber immer noch zu kurz. Auf einer grundsätzlicheren Ebene sind diese Jugendlichen, die zu einem ganz überwiegenden Teil von ihren Gemeinden alimentiert wurden, Entfremdete des Wohlfahrtsstaats. Finanziell, physisch und pädagogisch sind sie mehr von den Akteuren des Sozialstaates als durch ihre eigenen Familien oder Nachbarn beeinflusst worden. Zu den staatlichen Sozialvertretern haben sie eine tiefere moralische oder emotionale Bindung, als zu denjenigen, bei und unter denen sie tatsächlich aufgewachsen sind.

Eines gleich vorneweg: Der hier behauptete Zusammenhang zwischen Wohlfahrtsstaat und angeblich sozialer Entfremdung der Jungen ist an den Haaren herbei gezogen und wird auch beim Durchlesen des ganzen Artikels nicht plausibler. Die Kausalität ist mit keinem einzigen Satz schlüssig dargelegt. Stattdessen versucht der Autor der Arbeiterklasse die Schuld als quasi internes Problem anzulasten. Als ob nur sie selber sich untereinander solidarisieren müsse, weil das besser sei, als die schreckliche staatliche Beihilfe, die die vermeintlich heile Welt der Armen korrumpiere, weil sie z.B. vergünstigte Wohnungen oder Arbeitslosengeld erhält (was übrigens Rechte sind, nicht Privilegien.) Die dafür fehlende Solidarisierung der Entscheidungsträger mit den wirtschaftlich schlechter gestellten scheint für O’Neill keiner Diskussion zu bedürfen. Kurzum: selber schuld.

Zudem waren die letzten 30 Jahre (wir rechnen: 1981-2011) mitnichten vom Ausbau der sozialen Leistungen gezeichnet. Gerade die 80er-Jahre waren von der wirtschaftlichen Stagnation seit den 70ern geprägt und brachten eine gewisse Margaret Thatcher in den Sessel der Premierministerin. Eines ihrer berühmten Zitate lautet übrigens, es gäbe keine Gesellschaft, nur Individuen. Das von einer Vorsteherin des britischen Staats zu hören, zumal der Staat ja nichts anderes ist als der Ausdruck einer Gesellschaft, die sich als solche – und eben nicht als Einzelkämpfer – organisiert, ist ein ganz schön deftiges Statement. Gleichsam als Echo darauf nehmen sich nun die Ausschreitungen in den britischen Städten aus: die Chaoten handeln nicht als denkende Gruppe, die sich z.B. in politischen Demonstrationen gegen die Missstände auflehnt und ihre Mitspracherechte einfordert, sondern als blinde Ellenbogenkämpfer, die die Gunst der Stunde nutzen, um sich kurz was in die Tasche zu stecken, auch wenn man’s dafür jemand anderem erst aus der Tasche ziehen muss. Jede Wette Margaret Thatcher dreht sich vom Fernseher zu ihrem livrierten Diener um und piepst neben einem Bissen Gurken-Schwan-Sandwich hervor “That’s what I’ve been saying all along, haven’t I?”

Wie gerade mit dem Finanzcrash, dem Polit-Medienklüngel und so Katastrophen wie bei BP im Golf von Mexiko schmerzlich offensichtlich wurde, ist die Weisskragen-Gesellschaft in Westminster und der City moralisch in keinster Weise dem “Lumpenproletariat”, wie O’Neill es nennt, überlegen. White collar crime ist für gewöhnlich nur etwas weniger verboten als die Vergehen, die typischerweise bei den politisch schlechter Vertretenen zu finden sind. Und das ist auch kein Wunder. Politik geht Hand in Hand mit wirtschaftlichen Interessen und entfernt sich vom Aushandeln eines gesellschaftlichen Entwurfs, der alle einbezieht, hin zum nackten Lobbyismus für den eigenen Profit.

A propos es werfe den ersten Stein… die Leute in den Teppichetagen brauchen keine Steine zu werfen. Sie haben Budgetkürzungen, die sie mit zerknirschter Miene verkünden können, weil ja “alle mithelfen müssen, aus der Krise zu finden.” Das sind immer die Momente, wo die Gesellschaft wieder ganz fest zusammenstehen muss. Vor allem die Arbeitslosen, in der Schlange vor einem der wenigen Job Centres, die noch offen geblieben sind. Jede Wette, Cameron drückt nach so Ansprachen ganz kurz auch noch ein kleines, ehrliches Tränchen aus den Augenwinkeln, während sein Chauffeur ihn im Maybach auf den Landsitz fährt, wo er sich erstmal vom Schrecken erholen muss.

Die Entfremdung in der Gesellschaft stammt nicht aus der Arbeiterklasse. Der soziale Vertrag wurde nicht durch die Ausschreitungen von unten sondern durch das Lossagen der Wirtschafts- und Politikkapitäne vom Rest der Gesellschaft, von oben aufgekündigt. Ausgerechnet von denjenigen, die auf den Staat nicht angewiesen sind – ausser es gibt Steuererleichterungen, oder der Staat muss mal eben die Bank kaufen, damit sie nicht untergeht.

Natürlich entscheidet sich jeder einzelne, ob er plündern, stehlen und zerstören will, oder nicht. Und die Handlungen sind verwerflich und abscheulich, zumal sie sich gegen weitere Unschuldige richtet, gegen hart arbeitende LadenbesitzerInnen, die eigenen Nachbarn, Familien mit Kindern. Aber die Erfahrung zahlreicher Jugendlicher ist, entgegen dem, was der Autor im Artikel behauptet, dass der Staat, der die Gesellschaft, und damit ihre Interessen, verkörpern soll, sich aber als separate Einheit gebärdet, ihnen nichts mehr bieten kann, oder will. Das Zusammengehörigkeitsgefühl geht flöten, wenn man zusieht, wie Investmentbankern (wie Cameron selber einer ist) Geld zugeschanzt und Finanzcrashes verziehen werden, während nun das daraus resultierende Finanzloch auf die Bedürftigsten abgewälzt wird – die, die nicht einfach Konkurs anmelden und eine neue Firma aufmachen können, mit ihrem vollen Sparschwein voll Managerlöhnen und Boni.

O’Neill mag in seinen weiteren Artikeln bei Spiked noch lange abstreiten, dass der Neoliberalismus mit dem Zustand der jungen Generation etwas zu tun hat, aber die gänzliche Lossagung von Verantwortung gegenüber der Gesellschaft hat die wirtschaftlich-politische Elite zu Mittätern an der Entfremdung der Jungen gemacht. Diese Mitschuld zuzugeben ist der erste Schritt in Richtung richtig.

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Mitts up for Romney!

In his recurring and stellar segment “The Word”, Stephen Colbert makes a case for Mitt Romney’s presidential candidacy. After all, with the kind of record as a business man that Romney boasts, America can only turn out a lot slimmer, healthier and more profitable. – Or, then again, not.

If only his companies still existed to tell their stories of success.

(Click image for the video.)

Romney 2012 - Sometimes Good

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BP swaps Tony Hayward for Robert Dudley

In the latest Daily Show, Jon takes another well-placed and hullarious stab into the heart of the filthy beast they call BP.

Reporter’s voice: “Outgoing CEO Tony Hayward is set to receive a year’s salary and then a healthy pension worth millions. BP claims it is not a golden parachute.”

Jon Stewart: “No, of course, not a golden parachute… –  It’s just golden. Only cos BP has decided parachutes are a costly and unnecessary safety apparatus…”

And on the fact that the utterly failing Tony Hayward is being transferred to his new job for BP in Russia, while Bob Dudley leaves his post in Russia to take over American operations for BP:

Jon Stewart: “What is BP, it’s like a game of musical chairs where the music never stops, and even if it did, there’s always two really nice chairs.”

Watch the segment here.

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Mediterrane Lebensfreude…

Im Moment untergräbt Spanien mit seinen Meldungen das sorgfältig erschaffene Klischee des Urlaubparadieses mit freudig-feuriger Lebensart unter der warmen Sonne (“everything under the sun”) gewaltig.

Schon vor Ausbruch der internationalen Krise 2008 war Spanien mit seinem eigenen Immobilienmarkt auf Grund gelaufen. Die blinde Bauwut hatte ein traumhaftes Wachstum dank Preissteigerungen gebracht, und als die Spanier dann merkten, dass bald jedeR auf mehr Wohnungen sass, als sie vermieten oder weiterverkaufen, geschweige denn allein abzahlen konnten, kam zu allem Überfluss noch der Wirtschaftsknick der internationalen Banken hinzu.

Ohne jetzt darauf pochen zu wollen, dass die folgenden Zahlen irgendwas damit zu tun hätten, scheint der Zufall doch frappant, wie die Krise sich auf die Lebens- und Sterbensweise der Menschen auswirken könnte…

Seit letztem Jahr gibt es im Land der kastilischen Könige eine neue Haupt-Todesursache in der Sparte “nicht-natürliches Ableben”. Bisher war das immer verlässlich der Verkehr, wenn die Todesfälle auch seit 2005 langsam zurück gingen, auch dank grosser Kampagnen für mehr Sicherheit. Zwischen 06 und 07 gingen die Verkehrstoten um 8% und dann, von 07 auf 08 geradezu drastisch um 20% zurück.

Doch das ist noch kein Grund zum Anprosten oder Aufatmen, im Gegenteil: Offenbar ist es manchen  SpanierInnen eher ums Atem Anhalten zumute, denn seit 2009 hat Selbstmord mit 3’421 Opfern die Spitze der häufigsten unnatürlichen Todesfälle übernommen. Dies auch deshalb, weil die Selbstmorde selber steigen, um 5% gegenüber 2008.

Die Gründe dafür sind bestimmt vielschichtig und schwer durchschaubar, doch scheint der folgende Abschnitt ein relativ deutliches Bild zu zeichnen:

Man darf vermuten, dass die Zahl der Selbstmorde 2009 angesichts der Verzweiflung vieler Menschen weiter gestiegen ist. Die Zahl derer, die keinerlei Unterstützungsleistungen mehr erhält, die sich also irgendwie mit Schwarzarbeit, Hilfsleistungen von Freunden oder Diebstahl über Wasser halten müssen, steigt und steigt. Schon im letzten Sommer wurde die Zahl auf eine Million geschätzt. Das neu eingeführte mickrige Sozialgeld von 420 Euro, das ohnehin nur sechs Monate an eine ausgewählte Gruppe gezahlt wird, hat bestenfalls die absolute Verzweiflung vieler Menschen verschoben. Dass auch bei der geringeren Zahl von Verkehrstoten kein Zusammenhang zur Krise hergestellt wird, ist ebenfalls erstaunlich. Dabei wird immer weniger Auto gefahren. Deshalb kommt es zu weniger Unfällen und deshalb näherte sich Spanien auch erstmals 2008 den Klimaschutzzielen an.

Die Arbeitslosigkeit in Spanien hat 2009 unfassbare 20% erreicht, wobei es regional und in den sozialen Brennpunkten der ehemaligen Industriestädte, und insbesondere nochmal unter den Jungen wohl noch einiges prekärer zu und hergeht.

Es geht hier weiter…
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Bubbles and depressions

Another fine article by Matt Taibbi about the bailout economy and how the banks are running a giant con game on the taxpayer. If you have the stomach to read it, that is. Here’s one excerpt about how the toxis asset bubble is now reinflating:

One trader, who asked not to be identified, recounts a story of what happened with his hedge fund this past fall. His firm wanted to short — that is, bet against — all the crap toxic bonds that were suddenly in vogue again. The fund’s analysts had examined the fundamentals of these instruments and concluded that they were absolutely not good investments.

So they took a short position. One month passed, and they lost money. Another month passed — same thing. Finally, the trader just shrugged and decided to change course and buy.

“I said, ‘Fuck it, let’s make some money,'” he recalls. “I absolutely did not believe in the fundamentals of any of this stuff. However, I can get on the bandwagon, just so long as I know when to jump out of the car before it goes off the damn cliff!”

This is the very definition of bubble economics — betting on crowd behavior instead of on fundamentals. It’s old investors betting on the arrival of new ones, with the value of the underlying thing itself being irrelevant. And this behavior is being driven, no surprise, by the biggest firms on Wall Street.

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“UBS und CS investieren in Streubomben”

So hiess gestern eine Überschrift der Tagesschau-Seite des Schweizer Fernsehens.

Als ich im RSS-Feed den Artikel anwählen wollte, war det Dingens nicht mehr vorhanden und nicht auf Anhieb aufzuspüren. Irgendwie interessant, fand ich.

Doch mittlerweile ist der Artikel doch wieder aufgetaucht. (Aha!)

Damit das nicht nochmal passiert: Hier zum Mitlesen (die Knackstellen hab ich unterstrichen… Knackstelle wie in “beknackt”…)

In der Schweiz sind UBS und CS an Geschäften mit Streubomben beteiligt. Die Höhe der gegenwärtigen Investitionen der CS wird auf 437 Mio. Dollar, jene der UBS auf rund 465 Mio. beziffert. Dies geht aus einer neuen Studie hervor. Die CS erklärt, ihr Einsatz sei im Vergleich zu anderen Grossbanken gering.

Weltweit machen 138 Finanzunternehmen Geschäfte mit Firmen, die an der Entwicklung oder Produktion von Streubomben beteiligt sind.

Vermutlich auch andere Firmen beteiligt

Insgesamt fliessen gegenwärtig rund 20 Milliarden Dollar in diesen Produktionszweig, wie Ueli Anken, Sprecher der Schweizer Sektion von Handicap International, an einer Medienkonferenz in Zürich sagte.

Hinter dem auf Englisch erschienenen Bericht «Internationale Investitionen in Streubomben – eine geteilte Verantwortung» stehen eine belgische und eine niederländische Nichtregierungsorganisation (NGO). Darin wird detailliert aufgelistet, welche Firmen auf welche Weise in die Entwicklung und Produktion involviert sind.

Was die Schweizer Banken betrifft, so wird die Höhe der gegenwärtigen Investitionen der CS auf 437 Mio. Dollar, jene der UBS auf rund 465 Mio. beziffert. Damit würden acht Entwickler und Hersteller unterstützt, wie Anken weiter ausführte. Abschliessend sei die Liste im Bericht nicht. Man müsse annehmen, dass auch andere Schweizer Finanzinstitute in ähnlicher Weise vorgingen.

Investitionsverbot im Nationalrat

Die Schweiz habe im vergangenen Dezember in Oslo zu den Erstunterzeichnern des Vertrages zum Verbot von Streubomben gehört. Dieser sieht ein Verbot des Einsatzes, der Produktion, der Lagerung und der Weitergabe von Streubomben vor. «Dies bedeutet aber auch, dass jede Art der Finanzierung verboten werden muss», betonte Anken.

Was es jetzt brauche, seien klare gesetzliche Regeln. Ein positives Signal gebe es aus der Politik: Eine Motion, die ein vollständiges Investitionsverbot fordert, habe den Ständerat bereits diskussionslos passiert und komme nun in den Nationalrat.

CS: Im Vergleich zu anderen keine grosse Rolle

«Wir verweigern die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen nicht einzig deshalb, weil dieses in der Rüstungsindustrie tätig ist», teilte die CS mit. Der Bericht zeige, dass die CS im Vergleich zu anderen internationalen Banken keine grosse Rolle bei Finanzdienstleistungen für diesen Produktionszweig spiele.

Die CS verfolge aber die internationalen Entwicklungen in diesem Bereich sehr genau und halte sich an alle massgebende Gesetze und Abkommen.

Hey, nur weil es eine Streubombe ist, heisst das noch lange nicht, dass die jemandem wehtut. Und nur weil alles um das Produkt verboten ist, heisst das noch nicht, dass man die Firma nicht unterstützen kann… Ich mein, wir haben schliesslich eine Krise… Oh mein Magen…

http://www.stopexplosiveinvestments.org/

Als nächstes: CS und UBS investieren in menschenhandelnde Crackhäuser.

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Tobin’s Payback?

Dass die Staatshäupter es vielleicht doch nicht den Versagern der Wirtschaft allein überlassen wollen, die selbstgemachte Krise wieder auszubügeln und der eine oder die andere sich zumindest mit einem zaghaften Schnalzen oder “Hoooh” anschickt, den wilden Gaul Finanzmarkt zu zähmen, und vielleicht sogar ein kleines Zügelchen anzuziehen, stimmt irgendwie optimistisch. Offenbar hat die Politik mit ein paar Jährchen Verspätung gemerkt, dass der vielbeschworene Alleskönner und Allesretter “Markt” kein Vernunftswesen ist.

Jedenfalls sollen sich am kommenden G20-Gipfel so unterschiedliche Köpfe wie Ignacio Ramonet (Le Monde Diplomatique, Attac) und Angela Merkel beide für das Undenkbare stark machen: Keynes forderte sie schon. Sein Schüler Tobin gab ihr einen Namen, damit man über die Jahrzehnte auch benennen konnte, worüber man sich lustig machen wollte, und, da schau her, was eigentlich von Anfang an eine gute Idee gewesen wäre, was jedem mit zwei Hirnzellen zwischen den Ohren augenblicklich einleuchten muss,  sie findet jetzt zumindest wieder Gehör:

Der Weg beginnt 1936 in London. Der britische Ökonom John Maynard Keynes veröffentlicht sein Hauptwerk, die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. Keynes hat die Überhitzung der Finanzmärkte in den zwanziger Jahren mit großer Sorge beobachtet. Nun fordert er die »Einführung einer substanziellen Transfersteuer auf alle Transaktionen« – um die »Vorherrschaft der Spekulation« zu brechen.

[…]

Keynes ist jedenfalls plötzlich wieder angesagt – und sein Schüler, der Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin, auch. Er entwickelt die Idee einer Finanzsteuer in den siebziger Jahren weiter. Es ist die Zeit, in der die Regierungen beschließen, die Wechselkurse den Märkten zu überlassen. Tobin will Spekulationsattacken und Währungsschwankungen durch eine Steuer auf internationale Devisentransaktionen erschweren. So soll »Sand ins Getriebe« der Weltfinanzmärkte gestreut werden.

Die Idee hat mächtige Unterstützer. »Die Vorteile einer Reduzierung der Spekulation dürften die Nachteile einer geringeren Liquidität und steigender Kosten der Kapitalbeschaffung wettmachen«, schreibt Lawrence Summers, Professor an der Harvard-Universität, in einem 1989 veröffentlichten Aufsatz. Summers ist heute Chefberater von Barack Obama. Das belgische Parlament ist dafür, das französische ebenfalls, und selbst der Chef der britischen Finanzaufsicht hat sich als Anhänger der Steuer geoutet.

[…]

Dabei geht es den Befürwortern der Steuer um mehr als die Kontrolle über die Märkte. Sie wollen die Spekulanten an den Wertpapiermärkten zur Kasse bitten. Schon bei einer Abgabe von 0,05 Prozent auf jede Transaktion winken laut einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Staatseinnahmen von einem Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. In Deutschland wären das 10 bis 20 Milliarden Euro jährlich.

[…]

Dieses Geld würde vor allem von zwei Gruppen kommen: erstens von den Banken, die das Desaster auslösten. Sie würden an den Kosten der Krise beteiligt. Zweitens von den Vermögenden, die ihr Kapital mit einem hohen Umsatz an Finanzgeschäften mehren. Sie haben besonders davon profitiert, dass der Staat das Bankensystem stabilisierte – während der Fiskus in fast allen Ländern Kapitaleinkünfte schont, bei Lohneinkommen aber kräftig hinlangt. »Hochgradig progressiv« sei die Finanzabgabe, so Summers. Er meint damit: Sie trifft vor allem die Reichen. Das macht sie für die Politik interessant.

Ich kann schon kaum warten, welche Ausrede es denn diesmal sein wird, dass es halt doch nicht im Interesse der (bitte ankreuzen) …

[] Deutschen Arbeitnehmer

[] Deutschen Steuerzahler

[] Deutschen Unternehmer

oder des

[] noch zaghaften Weltwirtschaftsaufschwungs

sei, den man jetzt doch nicht noch zusätzlich belasten solle…

Dabei könnten die Brosamen, die vom Tisch der Reichen fallen so manche hungrigen Münder füttern. – Oder die Verlierer wenigstens im Nachhinein wieder ein bisschen aus dem Schlamassel ziehen, den die ersteren verursacht haben.

Süddeutsche: G-20-Gipfel: Sand ins Getriebe der Geldmaschine

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The deep waters of the economic crises

While all the old, rich and powerful keep mumbling about recovery at the end of 2010, I tend not to believe in it. If anything 2010 will be worse than 2009. My opinion may rest in part on the fact that I am not rich, and therefore do not stand to loose my position of power. Mind you, I am well aware that these people will weather the storm better than me, but the thing they built their world upon may be going away for good…

The problem with the economy is that the chain of dominos is rather long and recursive. That means, we saw some banks topple and thought it was the end, but it was only the beginning. Take the following article about the ghost fleet off of the coast of Singapore:

The Aframax-class oil tanker is the camel of the world’s high seas. By definition, it is smaller than 132,000 tons deadweight and with a breadth above 106ft. It is used in the basins of the Black Sea, the North Sea, the Caribbean Sea, the China Sea and the Mediterranean – or anywhere where non-OPEC exporting countries have harbours and canals too small to accommodate very large crude carriers (VLCC) or ultra-large crude carriers (ULCCs). The term is based on the Average Freight Rate Assessment (AFRA) tanker rate system and is an industry standard.

You may wish to know this because, if ever you had an irrational desire to charter one, now would be the time. This time last year, an Aframax tanker capable of carrying 80,000 tons of cargo would cost £31,000 a day ($50,000). Now it is about £3,400 ($5,500).

This is why the chilliest financial winds anywhere in the City of London are to be found blowing through its 400-plus shipping brokers.

Between them, they manage about half of the world’s chartering business. The bonuses are long gone. The last to feel the tail of the economic whiplash, they – and their insurers and lawyers – await a wave of redundancies and business failures in the next six months. Commerce is contracting, fleets rust away – yet new ship-builds ordered years ago are still coming on stream.

Read the rest, it is well worth it. Especially considering there is a lag of three years between ordering a ship and getting it. That means the shipyards are currently busy building ships nobody needs and that might be scrapped on completition.

Now we get to the recursive part in the domino theory. Once the companies that are currently buys building ships nobody needs run out of orders in about two years time, they will close down, laying off their workers, which in turn will deepen the cirsis.

‘know what I’m sayin’ …

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Good news lead to more good news

Michael Massing lays out some of the key reasons for the declining news business in the New York Review of Books. The symptoms for classic print products in crisis are folding newspapers, cuts in publication frequency and, obviously, lay-offs. In a nutshell, it’s due to three main causes.

1) A massive drop in advertising volume due to the classic advertisers being in an economic crisis.

2) A collapse of ad rates since the internet has taken over much of the ad market.

3) Greed and mismanagement on the part of newspaper owners.

The solution is, simply speaking, to create online content that readers will be willing to pay for and thus either chip in for the news enterprise, or even buy a subscription, whether for online or print content. But all of that only works on one condition:

The prerequisite for establishing a pay-for-content model is good content—must-read content. It’s extremely important in the modern news business to be clear on what your comparative advantage is. If you want to be everything to everybody and spread your resources too thin, you’re going to get into trouble.

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