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Deutschland schafft sich öfters mal ab…

Passendes Interview zur und in der Zeit: Der Historiker Wolfgang Benz (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin) über die Dynamik, die einen Völkermord wie den Holocaust der Nazis überhaupt möglich macht, über die Parallelen zwischen Antisemitismus und Anti-Islam-Propaganda à la Thilo Sarrazin oder Oskar Freysinger, und über die Aufgabe der HistorikerInnen, dafür zu sorgen, dass sowas wirklich “nie wieder” passiert.

ZEIT: Worin ähneln sich denn der Antisemitismus von damals und die populistische Stimmungsmache gegen den Islam heute?

Benz: Im 19. Jahrhundert hat sich das Instrumentarium des modernen Antisemitismus ausgebildet. Um zu legitimieren, dass Juden ausgeschlossen, verjagt, womöglich umgebracht werden sollen, musste man beweisen, dass diese Minderheit schädlich, gefährlich und böse ist. Man fand den Beweis dafür zunächst in der Religion und dann – das war damals neu – im Charakter der Gläubigen. Die Charaktereigenschaften leitete man aus der Religion ab. Den Talmud als böses Buch zu diffamieren war ein verbreitetes Mittel der antisemitischen Propaganda. In einem nächsten Schritt wurde der »jüdische Charakter« zum »Rassemerkmal« umgedeutet. Seit ein paar Jahren laufen ähnliche Prozesse im öffentlichen Sprechen über Muslime ab. Abermals wird eine religiöse Gruppe mit bestimmten Eigenschaften belegt, die aus Glaube und »Kultur« abgeleitet werden.

ZEIT: Statt Talmudhetze nun Koranhetze?

Benz: Überspitzt gesagt, ja. Jedenfalls werden gläubige Muslime dadurch zu einer potenziell »bösen Gruppe« erklärt. Sogar der Schritt, so etwas wie einen »muslimischen Charakter« biologisch festzuschreiben, ist vollzogen worden – von Thilo Sarrazin. Wobei ich eines klarstellen möchte, weil es immer wieder missverstanden wird: Ich setze nicht Muslime mit Juden gleich. Selbstverständlich gibt es islamistischen Terror und Fundamentalismus, das leugnet doch niemand, der noch seine fünf Sinne beisammen hat. Mir geht es darum, wie sich die Mehrheit der Bevölkerung gegenüber einer Minderheit verhält.

[…]

Benz: Wer antisemitische Vorurteile hegt, klagt gern über den angeblichen jüdischen Einfluss in der Presse oder an den Börsen. So etwas äußert man dann mit dem Zusatz »Aber das darf man ja nicht sagen«. Auf diese Weise steigert man noch das Gefühl der vermeintlichen Bedrohung: Die Fremden und ihre Helfershelfer wollen einem den Mund verbieten! Die populistische »Islamkritik« funktioniert ganz ähnlich. Da ist dann nicht die Rede von einer Weltverschwörung, aber von einer drohenden Islamisierung.

ZEIT: Der Antisemitismus greift außerdem auf tief verwurzelte historische Stereotype zurück.

Benz: Dasselbe finden Sie in den Warnungen vor dem Islam. Nach dem Muster: 1683 standen die Türken vor Wien, und wir haben sie abgewehrt, jetzt kommt der zweite Ansturm – deshalb: Minarettverbot! Im 19. und frühen 20. Jahrhundert sah das nicht anders aus. Zu jener Zeit waren es die Juden, die aus Polen hereinströmten. Vor ihnen warnte der Berliner Historiker Heinrich von Treitschke mit seinem berüchtigten Satz »Die Juden sind unser Unglück«. Schon damals fürchtete man, dass Deutschland sich abschafft.

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Israeli soldiers breaking the silence

It is an open secret that the Israeli occupation of the West Bank mocks the notion of Israel being a democracy. Well, unless you are a majority member of the Knesset, of course, or you’re on AIPAC’s payroll, then that would be outrageous news to you.

Criticism of the occupation can be heard from all sorts of people around the world, civilian and official, more notably from the International Court of Justice in The Hague to the World Bank and the UN General Assembly. The generic answer to the allegations usually take the “well, you don’t know what it’s like to be threatened by the Arab world” or the “we won’t let THAT happen to us again” approach, alluding to the Shoa, aka the Holocaust. In summary, people who protest against the occupation of Palestinian lands are labelled outsiders talking from a high horse, or as even outright hating Jews in general.

So it’s particularly refreshing to hear detailed, vivid reports of first-hand experience from people who should really know best: Israeli soldiers occupying the West Bank and the Gaza Strip from 2000-2010. They are young kids doing their military service in order to grant Jewish settlers their boundless freedoms inside and around the settlements, which apparently means humiliating and brutalizing the Palestinian population for little or no reason at all, just to make sure they don’t start to feel at home on their land… or make it past the age of 40. So much most of us know already. But what that looks like in your everyday routine as a soldier of the “Israel Defense Force” comes to life in verbatim interviews with soldiers looking back at their service. If you’re going to believe anyone, it’s probably the people who committed the murders took part in the operations and pulled the triggers, beat the snot out of elderly villagers and just simply made regular, harmless people’s lives miserable. Because it would be too boring a day without. Take their word for it.

The NY Review of Books article is here.

An advance version of the book of interviews can be found here (pdf).

Read a (relatively harmless) excerpt now…

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Challonge!

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Gegenvorschlag zur Ausschaffungsinitiative

Schon die Vorstellung, dass ein sogenannter demokratischer Rechtstaat ein separates Ausländerrecht aufstellt und damit mit verschieden langen Ellen misst, ist in sich absurd. Ausserdem widerspricht es dem Grundsatz der Rechtsgleichheit.

Das dämliche am offiziellen Gegenvorschlag zur SVP-Initiative ist, dass auch dieser dieselbe kranke Logik anwendet wie das, worauf er reagiert, indem er gegenüber ausländischen GesetzesbrecherInnen andere Sanktionen zu verhängen sucht, als gegenüber Schweizer BürgerInnen. Die beiden Optionen sind eigentlich nur zwei Geschmacksrichtungen desselben, ekligen Breis. Die Scheindebatte wird geprägt von jenen, die den Rechtstaat systematisch demontieren, und die “Gegenseite” leistet dazu fatalerweise regelmässig Hilfe, statt eine echte alternative Vision zu entwerfen und die Grundfesten des Staates zu verteidigen. “They say jump, you say ‘how high?'”

Diese Vorstellung, dass Leute, die kein Schweizer Bürgerrecht haben (oder noch nicht sehr lange) deswegen nicht als Gleiche unter Gleichen hier leben dürfen, ist schon so fest verankert, dass uns die Perversion daran nicht mal mehr auffällt. Als nächstes kommt dann die Ausbürgerung von Second@s und Tercer@s, frei nach der Vererbungslehre à la SVP.

Der Arierausweis ist nur noch eine Frage von Monaten.

Hier eine Stellungsnahme der Demokratischen JuristInnen der Schweiz

Denn es geht auch anders. Ein wirklicher Gegenvorschlag, der mit der menschenfeindlichen Logik des “Andere raus!” bricht, könnte so aussehen, wie Franz Hohler es formuliert…

Ausländerrecht
Gegenvorschlag
Von Franz Hohler
Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
Art. 121 Abs. 3–5 (neu)
I
3 Im Wissen darum, dass ohne sie a. weder Häuser, Strassen noch Tunnels gebaut würden, b. weder Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Hotels und Restaurants betrieben würden, c. weder Abfall, Reinigung, Verkehr und Informatik bewältigt würden, bedankt sich die Schweizerische Eidgenossenschaft bei allen Ausländerinnen und Ausländern, die hier arbeiten. Sie gibt ihrer Freude darüber Ausdruck, dass sie mit ihrer Tätigkeit das Leben in unserem Lande ermöglichen, und heisst sie als Teilnehmer dieses Lebens willkommen.
4 Sie hofft, dass es ihnen gelingt, sich mit den hiesigen Gebräuchen vertraut zu machen, ohne dass sie ihre Herkunft verleugnen müssen.
5 Sollten sie straffällig werden, unterliegen sie denselben gesetzlichen Bestimmungen wie die Schweizer Bürgerinnen und Bürger.
II
Übergangsbestimmungen: Dieser Gegenvorschlag bedarf nicht der Volksabstimmung. Er tritt für jedermann vom Moment an in Kraft, da er dessen Richtigkeit erkannt hat.

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A propos behindert…

Heute ein Besuch bei der Abteilung Gleichstellung und Integration.

Wer findet den Fehler…?
(Klick aufs Bild für Originalgrösse)

Na?…

Hier weiterlesen…

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Frankie Boyle reloads…

After years as one of the most celebrated comic panelists on Mock the Week and blowing up nationwide and internationally with his firebrand harsh flavour of standup comedy, Franke Boyle is now apparently putting together his own 6-part series on Channel 4, titled Tramadol Nights, due to start in late November 2010. Apparently, he felt caged in the format of Mock the Week, though I suppose cracking joke upon joke that would never make it past the edit was part of his shtick, just for his fans in the audience, if you will. Now, about a year ago, he left the BBC to write his autobiography My Shit Life so far and to venture into the wild that is Channel 4. Can’t wait to see what he comes up with now. If what we’ve seen of him so far is him being tame…

I’ve been studying Israeli Army Martial Arts. I now know 16 ways to kick a Palestinian woman in the back.
People think that the Middle East is very complex but I have an analogy that sums it up quite well. If you imagine that Palestine is a big cake, well…that cake is being punched to pieces by a very angry Jew.
Despite the controversies, which are often more due to the BBC’s fear of being sued than actual, shocking statements, beneath the armour of scathing punchlines, if you listen and watch closely enough, there is a wide-awake critical thinker who occasionally permits us a glimpse of his warm, caring side–if he’s not busy admitting to all the atrocities on TV he’s wanked off to.

Get a taste…

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Torturing for peace…

… over bags of milk powder. Or just because…

Remember when the US forces in Iraq and Afghanistan were made out to be the bad brutes, and the British troops were said to take the smarter, more humane approach?

These are some of the pictures of British “interrogation techniques” that the Spanish daily El País features on its website, referring to a report in The Guardian, but that one doesn’t have the same juicy pictures El País has put online.

Just a few impressions of how noble a cause the Brits have been fighting in Iraq (and who knows where else.)

Marck Cooley (25) threatening to punch an Iraqi prisoner, who in turn is tied up with a coarse net, presumably to induce “anxiety and disorientation,” as recommended by the manual.

And a similar position, this time with the added bonus of having British army Darren Larkin standing on top of the alleged milk powder thief.

Apparently this has been said to be a British soldier simulating a kick into the bundle that is supposed to be another British soldier. I have my doubts. Make that “you have got to be shitting me.” It’s the same bloke as in the other two pictures.

Speaking of shitting someone… There’s no better way of getting your suspect to open up to you than if you make him poke out his bum for another to ‘hit him from the back’, all the while you’re taking pictures (and cracking one off with the other hand, presumably.) These and similar scenes of prisoners forced to perform oral sex on each other testify to the kind of freedom and human rights the troops are dedicated to.

And now watch Tony Blair in his post-office self-congratulatory pensiveness looking back onto all the right choices he’s made. This isn’t exclusively about the wars, but one wonders how a man can stand behind all this and still show his mug on the telly. Not that others weren’t doing the same, but isn’t Tony Blair the official envoy to the Middle East peace process on behalf of The Quartet (US, Russia, EU and UN)? Excellent choice, gentlemen. Who could top his kind of street cred?

Tony Blair talks to Sir David Frost in “Frost over the World”

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Ist Ihr Blut schwul? Teil II

Nachdem hier vor einigen Wochen berichtet wurde, wie in Deutschland Blutspenden von Männern gehandhabt werden, die dem homosexuellen Geschlechtsverkehr frönen, war’s mal an der Zeit vor der eigenen Haustüre nachzusehen, wie es denn hierzulande darum steht. Gerade hier am Rheinknie zeigt man ja gerne mit halbem Kopfschütteln und halbem Amüsement auf unsere Nachbarn, doch haben wir hier das bessere Rezept? Geneigte LeserInnen können die Antwort schon ahnen…

Schreibkrampf schickt eine Anfrage an das Blutspendezentrum Basel:

Sehr geehrte Frau [Pressesprecherin],

Nach einem Bericht der deutschen Tagesschau, die darauf hingewiesen hat, dass die Bundesärztekammer es kategorisch ablehnt, von Schwulen in Deutschland Blut zu akzeptieren, habe ich festgestellt, dass auch im Fragebogen des Blutspendezentrums Basel die entsprechende Frage auftaucht. (Hier der Link zur Geschichte der Tagesschau.)

Und offenbar besteht auch in der Schweiz dieselbe Praxis: Im Merkblatt zum Blutspenden steht, dass “Sexuelle Kontakte (geschützt oder ungeschützt) unter Männern seit 1977 einen definitiven Ausschlussgrund” darstellen.

Deshalb möchte ich gerne wissen, wie die Blutspendezentren schwule, sexuell aktive Männer als besondere Risikogruppe ausmachen, die undifferenziert ausgeschlossen wird. Gemäss der Statistik der Aids-Hilfe beider Basel des letzten Jahres sind die Anteile der Ansteckungen mit HIV bemerkenswert ausgeglichen zwischen Hetero- und Homosexuellen. 48% heterosexuelle gegenüber 47% homosexuellen Kontakten. (Siehe hier.) Könnte man mit diesen Zahlen nicht genausogut alle Heteros als besondere Risikogruppe ausmachen? Schliesslich ist die Prozentzahl sogar leicht höher.
Plump gesagt: Warum ist der in langjähriger treuer Beziehung lebende Hetero eine kleinere Gefahr wie der in langjähriger treuer Beziehung lebende Homo?

Zudem: Welche Mittel stehen den Blutspendezentren zur Verfügung, um Blut auf HIV zu testen? Ist es nicht möglich, mit denselben Mitteln infiziertes Blut von Heteros wie auch von Schwulen auf Krankheiten zu analysieren? Offenbar gibt es auch bei Heteros ein beträchtliches Risiko, das doch bestimmt ausgeschlossen werden muss. Oder gilt hier das Prinzip Vertrauen?

Kurzum: Welche Überlegungen stecken hinter dem Kriterium der schwulen Sexualkontakte und weshalb lässt sich die potenzielle Infektionsgefahr nicht bei allen Spenden im gleichen Masse abklären, so dass man nur existierende Risiken ausschliesst?

Wären Sie damit einverstanden, wenn ich Ihre Antwort ganz oder auszugsweise im Internet publiziere, da das Thema offenbar auf reges Interesse stösst und mögliche Missverständnisse (allgemeine oder nur auf meiner Seite existierende) dadurch aufgelöst werden könnten.

Herzlichen Dank für Ihre Auskunft und freundliche Grüsse,

[andbehold für Schreibkrampf]

Nach einigen Wochen erhielt ich prompt Antwort von niemand geringerem als dem Direktor des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes (Bern).

Was die Antwort auszeichnet, ist erstens mal, dass man meine Anfrage von höchster Stelle behandeln lässt, was für einen seriösen Umgang mit der Problematik spricht. Ausserdem ist man sich durchaus bewusst, dass hier Menschen zum grossen Teil zu Unrecht vom Blutspenden abgehalten werden und kommuniziert dies (wenn schon nicht auf der Website, so doch wenigstens hier) mit einem gewissen Schulterzucken. Einige meiner Fragen bleiben zwar unbeantwortet, aber das wollen wir mal durchgehen lassen…

Mein einziger wirklicher Einwand ist, immernoch, dass man das reale Risiko von 10% HIV-Infektionen unter Schwulen dadurch zu verhindern sucht, indem man Schwule generell ausgrenzt. Man würde doch vermuten, dass trotz der statistischen Häufung nicht das Schwulsein an und für sich der Grund für die Infektion ist, sondern generell das sexuelle Verhalten, also z.B. ungeschützter Sex (oder nachlässiger Umgang mit Injektionen). Man würde doch erwarten können, dass auch die 0.3% Infizierten unter den Heterosexuellen dies zum grossen Teil gemein haben. Also greift der Ausschluss von Schwulen am eigentlichen Problem vorbei und wirkt eher als hilfloser Versuch, das Ansteckungsrisiko zu begrenzen. Die effektiven Risiken aus dem Verhalten der BlutspenderInnen werden in den anderen Fragen bereits erhoben und würden doch völlig reichen. (siehe Fragebogen und Merkblatt)

Doch lest die Antwort selber…

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Genie und Blödsinn liegen nah beieinander…

Vor ziemlich genau einem Jahr am Römerfest in Augusta Raurica. Dutzende von Marktständen boten historisches Handwerk, Geköch und Textil-Gebastel in Schweinelatein an, um den Kindern die Welt der Römer ganz praktisch näher zu bringen. Dazu gehörte auch ein Stand, wo man aus einem Kloss Tonerde auf einem Wurstpappteller etwas römisch anmutendes herstellen konnte. Das könnte dann z.B so aussehen.

Kinder töpfern am Römerfest

Halt was man als kleineR RömerIn so braucht. Reiterfigürchen, ein lachendes Tongesicht, Teelichtlein oder ein Schälchen für Oliven/die ersten Milchzähne. Lässt sich später auch problemlos in einen Aschenbecher umfunktionieren… Das an den Tag gelegte handwerkliche Geschick reichte von gewissenhaft-einfach bis künstlerisch anspruchsvoll.

Ein Werk unter den zum Trocknen ausgelegten Artefakten stach jedoch durch sein besonderes je-ne-sais-quoi hervor…

"Ultras Inter"

Meine erste Reaktion war ein lautes Prusten, gefolgt von abgrundtiefem Kummer über das fehlende Verständnis für dieses ganze, aufwändig inszenierte Spektakel. Dass einem Kind der Sinn und Zweck des Römerfests so gründlich entgangen sein könnte, und ihm nichts besseres als eine platte Fussballphrase als Inspiration dienen mochte, obwohl er von verdammt echt wirkenden römischen Soldaten, Boxkämpfern und reihenweise Kostümen und sonstigem Gedöns umzingelt war…

Doch einige Tage darauf zweifelte ich an meinem schnellen Urteil. Was vollkommen deplatziert schien, ergab plötzlich verdammt viel Sinn. Besser noch, vielleicht hatte der/die Unbekannte (nehmen wir mal an, es war ein Junge) als praktisch einziger den wahren Geist der römischen Kultur erfasst und äusserst prägnant auf die heutige Zeit übertragen. Schliesslich atmete das römische Reich geradezu den Krieg und die Unterwerfung. An einem so weit entfernten Grenzposten wie Augusta Raurica, wo ein guter Teil der Bevölkerung wohl aus den stationierten Soldaten, zum Schutz vor den Barbaren ennet des Rheins, bestand, erst recht. Wer an einem Wochenende schon mal in einem Zugabteil voller räudiger Infanteristen mitgefahren ist, weiss, was ich meine. Und dennoch finden sich in Augusta Raurica auch das Amphitheater, der Zirkus und weitere Zeugnisse von Kunst und Unterhaltung. Die römische Kultur umfasste also unbedingt beides. Was passt da besser, als ein Spruch, der gleichzeitig für die Leidenschaft für körperliche Ertüchtigung auf höchstem Niveau wie auch für rohe Gewalt schlechthin steht? Ultras Inter. Die Boys von der Mailänder Nordkurve zelebrieren im Grunde die römischen Zirkusspiele weiter, und wie in der Arena damals, geht es auch im Fussball immer um Leben und Tod. Männer unter sich. Nackte Oberkörper. Gegröhle aus vollen Kehlen. Wir gegen die anderen. Singen, tanzen und eins auf die Mütze, um den kalten Alltag zu vertreiben. Und wer wirklich verdient, zu leben oder zu sterben, wird immer noch hoch oben auf den Rängen per Handzeichen entschieden. Grossartig.

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Aufgepasst…

In wie vielen Schul- und Freistunden der Verfasser unten stehender Zeilen damit beschäftigt war, das Kreuzworträtsel der Gala zu lösen, kann ich nicht sagen. Aber es schmerzt, sowas lesen zu müssen…

Der Begriff Oxymoron enthält ja nicht umsonst das Wort moron

Demokraten sind offenbar nicht völkisch genug. Demos ist ja auch ein Fremdwort an und für sich. Hoffen wir, dass sie dafür doitsch schreiben können.

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