NATO-Geheimarmeen (Daniele Ganser)

Der Historiker an der Uni Basel, Daniele Ganser, hat mit seiner Doktorarbeit vor ein paar Jahren einen internationalen Knüller gelandet. Zum ersten Mal arbeitete jemand systematisch die lange geheim gehaltenen Geheimarmeen (daher der Name) der NATO auf. Diese Armeen waren so geheim, dass manche Verteidigungsminister wie auch die Parlamente in Europa selber davon keine Ahnung hatten. Das Schweigen wurde vom italienischen Premier Giulio Andreotti erst 1990 gelüftet. In der Folge kam im gleichen Jahr die Schweizer Version der europaweiten “Operation Gladio” ans Licht und wurde von einer parlamentarischen Untersuchungskommission unter die Lupe genommen. Hier war sie Projekt 26 (P-26) getauft worden. Allgemein wurden nur in drei Ländern parlamentarische Untersuchungen betrieben (Belgien, Schweiz, Italien). Im Rest Europas dauerte die Enthüllung zum Teil noch Jahre.

Abzeichen des italienischen Gladio-Zweigs.

Zweck der Geheimarmeen: Im Falle einer kommunistischen Besetzung Westeuropas hätten die Geheimarmeen aktiv werden und mit Guerrilla-Taktik den Feind bekämpfen sollen. Allerdings sollen diese Verbände auch sozialistische oder kommunistische Strömungen in der Politik behindert oder sogar sabotiert haben. Der Verdacht, dass dafür auch Terrorakte inszeniert worden und den Kommunisten in die Schuhe geschoben worden seien, ist noch nicht überzeugend widerlegt…

Ein Zitat aus dem Bericht der ETH:

Ziel war es, in Italien um jeden Preis eine Regierungsbeteiligung der Kommunisten zu verhindern. Minister dieser Partei, so die Befürchtung, könnten Geheimnisse an die Sowjetunion verraten und so die Nato von innen heraus schwächen. Gladio schreckte nicht vor feigen Terroranschlägen gegen die eigene Bevölkerung zurück. Das Volk sollte verunsichert werden, damit es den Staat um mehr Sicherheit bittet. Durch falsche Spuren und Einflussnahme auf die Justiz gelang es, die Taten dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben.

Auch in Frankreich, Deutschland (wo auch ehemalige SS-Offiziere involviert waren), Norwegen und Belgien verübten die Geheimarmeen Terroranschläge. In Griechenland war sie in den Militärputsch involviert, und in der Türkei unterstützte die “Counter-Guerilla” den Kampf gegen die Kurden. Nach den Enthüllungen der PUK-EMD wurde in der Schweiz der Verdacht geäussert, auch die P26 habe Anschläge verübt. Der Verdacht konnte aber nicht bestätigt werden.

Ein grossartiger Vortrag, aufgenommen an der Uni Basel, anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung am 14.9.09, um das grosse Interesse zu befriedigen.

Klick aufs Bild öffnet den Videovortrag, unterteilt in Kapitel.
Dauert rund 2 wohlinvestierte Stunden.

Gladio (Deutsch)

P-26 (Englisch)

P-26 (Deutsch)

Bericht zur Konferenz “Nato Geheimarmeen und P26”

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