Tobin’s Payback?

Dass die Staatshäupter es vielleicht doch nicht den Versagern der Wirtschaft allein überlassen wollen, die selbstgemachte Krise wieder auszubügeln und der eine oder die andere sich zumindest mit einem zaghaften Schnalzen oder “Hoooh” anschickt, den wilden Gaul Finanzmarkt zu zähmen, und vielleicht sogar ein kleines Zügelchen anzuziehen, stimmt irgendwie optimistisch. Offenbar hat die Politik mit ein paar Jährchen Verspätung gemerkt, dass der vielbeschworene Alleskönner und Allesretter “Markt” kein Vernunftswesen ist.

Jedenfalls sollen sich am kommenden G20-Gipfel so unterschiedliche Köpfe wie Ignacio Ramonet (Le Monde Diplomatique, Attac) und Angela Merkel beide für das Undenkbare stark machen: Keynes forderte sie schon. Sein Schüler Tobin gab ihr einen Namen, damit man über die Jahrzehnte auch benennen konnte, worüber man sich lustig machen wollte, und, da schau her, was eigentlich von Anfang an eine gute Idee gewesen wäre, was jedem mit zwei Hirnzellen zwischen den Ohren augenblicklich einleuchten muss,  sie findet jetzt zumindest wieder Gehör:

Der Weg beginnt 1936 in London. Der britische Ökonom John Maynard Keynes veröffentlicht sein Hauptwerk, die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. Keynes hat die Überhitzung der Finanzmärkte in den zwanziger Jahren mit großer Sorge beobachtet. Nun fordert er die »Einführung einer substanziellen Transfersteuer auf alle Transaktionen« – um die »Vorherrschaft der Spekulation« zu brechen.

[…]

Keynes ist jedenfalls plötzlich wieder angesagt – und sein Schüler, der Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin, auch. Er entwickelt die Idee einer Finanzsteuer in den siebziger Jahren weiter. Es ist die Zeit, in der die Regierungen beschließen, die Wechselkurse den Märkten zu überlassen. Tobin will Spekulationsattacken und Währungsschwankungen durch eine Steuer auf internationale Devisentransaktionen erschweren. So soll »Sand ins Getriebe« der Weltfinanzmärkte gestreut werden.

Die Idee hat mächtige Unterstützer. »Die Vorteile einer Reduzierung der Spekulation dürften die Nachteile einer geringeren Liquidität und steigender Kosten der Kapitalbeschaffung wettmachen«, schreibt Lawrence Summers, Professor an der Harvard-Universität, in einem 1989 veröffentlichten Aufsatz. Summers ist heute Chefberater von Barack Obama. Das belgische Parlament ist dafür, das französische ebenfalls, und selbst der Chef der britischen Finanzaufsicht hat sich als Anhänger der Steuer geoutet.

[…]

Dabei geht es den Befürwortern der Steuer um mehr als die Kontrolle über die Märkte. Sie wollen die Spekulanten an den Wertpapiermärkten zur Kasse bitten. Schon bei einer Abgabe von 0,05 Prozent auf jede Transaktion winken laut einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Staatseinnahmen von einem Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. In Deutschland wären das 10 bis 20 Milliarden Euro jährlich.

[…]

Dieses Geld würde vor allem von zwei Gruppen kommen: erstens von den Banken, die das Desaster auslösten. Sie würden an den Kosten der Krise beteiligt. Zweitens von den Vermögenden, die ihr Kapital mit einem hohen Umsatz an Finanzgeschäften mehren. Sie haben besonders davon profitiert, dass der Staat das Bankensystem stabilisierte – während der Fiskus in fast allen Ländern Kapitaleinkünfte schont, bei Lohneinkommen aber kräftig hinlangt. »Hochgradig progressiv« sei die Finanzabgabe, so Summers. Er meint damit: Sie trifft vor allem die Reichen. Das macht sie für die Politik interessant.

Ich kann schon kaum warten, welche Ausrede es denn diesmal sein wird, dass es halt doch nicht im Interesse der (bitte ankreuzen) …

[] Deutschen Arbeitnehmer

[] Deutschen Steuerzahler

[] Deutschen Unternehmer

oder des

[] noch zaghaften Weltwirtschaftsaufschwungs

sei, den man jetzt doch nicht noch zusätzlich belasten solle…

Dabei könnten die Brosamen, die vom Tisch der Reichen fallen so manche hungrigen Münder füttern. – Oder die Verlierer wenigstens im Nachhinein wieder ein bisschen aus dem Schlamassel ziehen, den die ersteren verursacht haben.

Süddeutsche: G-20-Gipfel: Sand ins Getriebe der Geldmaschine

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