Was weder Abraham noch Darwin wussten…

Ein grossartiger Artikel über die vielschichtigen Wirkungsweisen der Evolution und wie der Begriff der Evolution seit dem ollen Darwin weiter ausdefiniert und komplexer wurde. – Was in der volkstümlichen Darstellung des Darwinismus nicht beachtet wird – und in der tumben wörtlichen Widergabe von alten Buchpassagen aus dem übervorletzten Jahrtausend erst recht nicht.

Wär doch schön, wenn man auch in Schulen im “bible belt” solche neuere Erkenntnisse diskutieren könnte, statt sich mit humorlosen und reaktionären Wahnvorstellungen abkämpfen zu müssen. (z.B. in Georgia, aber nicht nur…)

What good is “intelligent design” to a daft admirer?

Was das Überleben sichert
Von Florianne Koechlin

Evolutionäre Veränderung kann neben der genetischen und epigenetischen auch auf einer kulturellen Ebene stattfinden, argumentieren Jablonka und Lamb. Dazu zählen sie Veränderungen von Verhaltensmustern, Vorlieben oder Fähigkeiten, die über einen längeren Zeitraum hinweg erlernt wurden – und die ohne eine genetische Veränderung erfolgt sind. Junge Kaninchen etwa, deren Mütter mit Wacholderbeeren gefüttert werden, «erben» eine Vorliebe für diese Beeren. Sie lernen im Uterus, und später durch die Muttermilch, dass Wacholderbeeren gut für sie sind. Und dies, obwohl sie nur drei Wochen lang jeweils fünf Minuten gesäugt werden. Die kurze Zeit reicht, um sie sozusagen­ auf den Geschmack von Wacholder­beeren zu bringen.
Die Forschergruppe, sagt Eva Jablonka, habe nur Wacholderbeeren untersucht, aber es sei anzunehmen, dass die jungen Kaninchen die ganze Palette der mütterlichen Nahrung bereits im Uterus und über die Mutter­milch kennen lernten. Auf sich selbst gestellt, seien sie mit diesem Wissen gut ausgerüstet und müssten nicht jede Pflanze neu auf ihre Tauglichkeit hin testen. […]

Ob und wann sich solche veränderten Lebensgewohnheiten auch in den Genen niederschlagen, ist schwer zu eruieren. Doch es gibt zumindest ein berühmtes Beispiel für eine kulturelle Evolution, die sich nachträglich im Erbgut manifestiert hat: die Laktose-Intoleranz bei Menschen. Der Milchzucker Laktose ist ein Zweifachzucker, der im Darm durch das Enzym Laktase gespalten, resorbiert und verdaut wird. Fehlt dieses Enzym, kann Laktose nicht verdaut werden, was zu Bauchbeschwerden führt. Bei allen Säugern – auch bei den meisten Menschen – nimmt die Produktion des Enzyms nach dem Säugen ab; sie können als Erwachsene Milch nur noch schlecht verdauen.
Hirtenvölker bildeten hingegen eine Variante des Laktase-Gens aus, die aktiv bleibt: Menschen mit dieser Variante haben auch im Alter keine Schwierigkeiten mit Milchprodukten. Interessant ist, dass diese Genvariante evolutionsgeschichtlich der Domestizierung von Milchvieh folgte. Man findet sie vorab in ehemaligen Hirtenvölkern. In Europa, einigen Hirtenvölkern in Afrika, der Mittelmeerregion und dem Mittleren Osten können die meisten Menschen ohne Beschwerden Milch trinken. Doch weltweit besitzt die grosse Mehrheit aller Menschen diese Genvariante nicht. […]

Das Buch, das dem Artikel zugrunde liegt, ist hier:

Eva Jablonka und Marion J. Lamb – Evolution in Four Dimensions.

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