Rettet den Tagi (Petition)

Bei der Zürcher Tageszeitung Tagesanzeiger soll ein Viertel der Redaktion gehen. Sagt die Geschäftsleitung. Und das, weil der Konzern dieses Jahr zum allerersten Mal in seiner über 100-jährigen Existenz keinen Gewinn geschrieben hat. Das ist etwa so, als ob man bei einer Kutsche, der das eine Rad eiert, das Pferd abspannt und erschiesst. Ohne starken Tagi gibt es keine Substanz in dem Konzern. Und auch die Seite der Baz würde magerer aussehen, denn die teilen sich die Webinhalte über Newsnetz.

Soll man lieber mal nachrechnen, wer sich über die Jahre daran einen goldenen Schniedel verdient hat und die Gewinnmillionen, die jetzt als komfortables Polster dienen könnte, aus dem Konzern gezogen hat.

Hier geht’s zur Petition.

Ende Mai 2009 haben über fünfzig, grossenteils hochqualifizierte Journalistinnen und Journalisten des Tages-Anzeigers, also rund ein Viertel der Redaktion, die Kündigung erhalten. Dazu kommt eine noch unbekannte Zahl freischaffender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Aufträge verlieren. In der Druckerei werden sieben Stellen weggespart. Die Verlagsleitung behauptet, mit dieser «Dreiviertelredaktion» eine bessere Zeitung produzieren zu wollen.

Begründet werden die Entlassungen mit «wirtschaftlicher Notwendigkeit» und einer «Neuorganisation der Redaktion». Tatsache ist, dass das Unternehmen Tamedia im vergangenen Jahr 105,8 Millionen Gewinn geschrieben hat, dass 32 Millionen Franken Dividenden an die Aktionäre ausbezahlt wurden. Vor wenigen Wochen erst investierte Tamedia 226 Millionen Franken in die Übernahme des Westschweizer Medienunternehmens Edipresse. Ein Neubau des japanischen Stararchitekten Shigeru Ban soll den Gewinn, der durch 116 Jahre Tagi-Geschichte erwirtschaftet wurde, weitum sichtbar machen.

Die Qualität journalistischer Arbeit hat nicht bloss mit Verkäuflichkeit, sondern auch mit Engagement, mit dem Wissen und der Sorge um die Gesellschaft zu tun, in der wir leben. Demokratische Gesellschaften brauchen journalistische Qualität. Journalistische Qualität braucht redaktionelle Freiheit und anständige Arbeits- und Anstellungsbedingungen der Medienschaffenden.

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