Tor eins oder zwei..?

Egal, auf jeden Fall Eigentor…

Die in Deutschland geborenen Kinder ausländischer Eltern müssen seit 2008 entscheiden, ob sie Deutsche oder Ausländer sein wollen. Fünf Jahre gibt ihnen der Staat Zeit für diese Entscheidung; mit 18 kommt der Brief, mit 23 spätestens muss der Entschluss feststehen: Haben sie bis dahin nicht reagiert, bürgert Deutschland sie automatisch aus.

Das rot-grüne Gesetz stammt aus dem Jahr 2000. Es war zugeschnitten auf unter Zehnjährige und beginnt nun zu greifen: Die Kinder von damals werden jetzt 18. Kritiker nannten das Gesetz von Anfang an einen schlechten Kompromiss. Die Schröder-Regierung wollte es Kindern möglich machen, auch ohne deutsche Eltern zusätzlich zum ausländischen einen deutschen Pass zu bekommen. Den konservativen Parteien ging die doppelte Staatsbürgerschaft zu weit, der Kompromiss hieß „Optionspflicht“, der Zwang, sich bis zur Volljährigkeit zu entscheiden: Bist du Deutscher oder Ausländer?

aus: jetzt.de (Süddeutsche)

Was für ein erbärmliches Armutszeugnis für die Integrationspolitik Deutschlands, dass man von 18-jährigen verlangt, ihre Identität an einem Pass festzumachen. Umso mehr, weil genau diese erzwungene Entscheidung zur Entweder-Oder-Mentalität beiträgt und die Menschen in erster Linie als Nationalität definiert. Und das in der globalen Welt von heute. Die Türkei ist ein Katzensprung von Deutschland entfernt. Die Realität von Menschen, deren Vorfahren nicht seit Jahrhunderten auf der eigenen Scholle sitzen geblieben sind, ist nunmal, dass alle Einflüsse zu einem gehören dürfen sollen. Und je weniger man auf der Nationalität rumreitet, desto eher können sich die Menschen als solche in ihrem Wohnland wohlfühlen. Aber nein, das Motto heisst offenbar “Zurückbleiben, bidde.”

Ich finde, an den Aussagen der fünf türkisch-stämmigen Jugendlichen, die man unter obigem Link nachlesen kann, lässt sich unschwer erkennen, dass die Leute mit der Entscheidung überfragt sind. Kaum eineR will in der Türkei leben, aber sie fühlen sich als TürkInnen. Das heisst, sie glauben dass sie nicht Deutsche auf dem Papier und wasauchimmer im Herzen sein können. Oder dass Deutschland für sie zu eng ist, um für ihre Identität Platz zu bieten. Also entscheiden sich die meisten für das Land, wo sie weder leben noch sich zuhause fühlen. Wenn das mal kein Schandmal für die Politik ist.

Advertisements

Leave a comment

Filed under but seriously..., ignance in power, Law and Ordure, Schöner Wohnen, [andbehold]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s