Soziologe empfiehlt Besäufnis. Blogger stimmt zu.

Wer das Ganze Umsfallera der Berufsbetroffenen ob des geplanten Besäufnisses in Zürich mitbekommen hat, sollte mal dieses Interview mit Soziologieprofessor Kurt Imhof lesen. Ich glaube der Herr hat die Angelegenheit im wesentlichen richtig charakterisiert. Einige Auszüge:

Das Problem ist nicht das Massenbesäufnis. Sondern die Empörungsgemeinschaft der Massenbesäufnisskandalisierer.

und

Unfug ist das Privileg der Jugendlichen auf dem Weg zur Anpassung.
Früher gab es Halbstarke, später Woodstock. Das war nicht
Massenbesäufnis, sondern Massensex. Also Nacktheit in der
Öffentlichkeit plus Droge. Und zwar nicht konventionelle Drogen.
Sondern unkonventionelle. Da muss man ängstliche Eltern schon fragen:
Was ärgert ihr euch über eine Jugend, die zur konventionellsten aller
Drogen greift? Kontrollierte Massenbesäufnisse sind die harmloseste
Form!

Natürlich ist das nicht die Kernaussage. Herr Imhof kommt dem Phänomen wesentlich näher als in diesen eher unterhaltsamen Quotes.
Im übrigen empfehle ich auch die Kommentare zur Lektüre. Da hats auch einige Knaller – bis hin zur unvermeidlichen Anwendung von Godwin`s Law.

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2 Comments

Filed under uhh...

2 responses to “Soziologe empfiehlt Besäufnis. Blogger stimmt zu.

  1. Klar. Die Bratwurstparade, die jeden August in ZH stattfindet, hat ja auch grösstenteils ihre rebellischen Züge verloren. Trotz undefinierbarem Drogenmix, wovon Alkohol auch erst die Spitze des Eisbergs ist. Also ist die “Demo” für Liebe, Freiheit, Tanzen und Nackt Rumrennen in den Kanon der alljährlich wiederkehrenden, weitgehend harmlosen Betäubnisse eingereiht und für okay befunden worden. SF DRS berichtet begeistert von der bunten Menge.
    Wenn das ganze aber ohne Augenwischerei, also ohne Musikmobile, Kostüme oder einem hehren Motto daherkommt, ist es irgendwie unheimlich. Niemand will sich hinstellen und ein Riesenbesäufnis, das sich selber als solches deklariert, für okay erklären, besonders weil Politiker Angst haben, man könnte ihnen beim nächsten Wahlkampf vorwerfen, sich nicht um die Jugend zu kümmern. Aber anscheinend ist es kaum der eigenen Karriere abträglich, wenn man Einrichtungen für Jugendliche, die sie vom Saufen ablenken könnten, wie gut finanzierte Schulen, Jugendzentren, Spielplätze oder einfach freien, öffentlichen Raum wegspart, zusammenstreicht oder privatisiert.
    Also lasst uns das Gesaufe in ein nettes Kleid hüllen (“Bruderschaft Trinken für eine bessere Welt” oder “Prosit Helvetia”) und dafür Gelder für Jugenarbeit und Bildung für alle sprechen.
    The end.

  2. Und Botellones hat’s schon immer gegeben. Nicht nur in Spanien, wo sich bei einer grossen Jugendarbeitlosigkeit kaum einer die Preise in den Bars leisten kann. Also drei Leute am Strand, die sich einen Zwei-Liter-Cuba-Libre mischen sind auch schon ein Botellón.
    Soviel zur aufgeregten Berichterstattung der Schweizer Medien über das ach so neue Phänomen (mit zum Teil abenteuerlicher Akzentsetzung… “Das ist doch Spanisch… da muss irgendwo irgend so ein Akzent drauf…”).
    Botellones gibt es auf jeder zweiten Parkbank. Man nannte’s bisher halt einfach “im Laden was zu Trinken holen”.

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