A propos die Kirche im Dorf lassen: Anti-Minarettinitiative

Anlässlich der unsäglichen Antiminarettinitiative von Seiten des “Egerkinger Komitees”, bestehend aus SVP- und EDU-PolitikerInnen, sollte man vielleicht mal die bestehende Verfassung lesen, bevor man sie umzuschreiben versucht.

“Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.” (Artikel 8, Absatz 2)

Zum Thema Religionsfreiheit bleibt wohl noch anzumerken, dass diese genau solche auf einzelne Glaubensgruppen ausgerichtete Gesetzgebungen verhindern soll. Und im Übrigen bedeutet die Religionsfreiheit auch, dass die Schweiz keine Staatsreligion hat. – Dass manche christlichen Kirchen in der Schweiz trotzdem Steuern erheben dürfen, ist dann wohl eher ein Verstoss gegen das säkulare Prinzip und nicht umgekehrt der Beweis, dass manche Glauben richtiger sind als andere. Die Buchstabenkombination “christ” kommt in der Verfassung übrigens nicht einmal vor. Es gäbe natürlich noch mehr Binsenwahrheiten herauszustreichen, z.B. dass es “den Islam” genausowenig gibt wie “die Christenheit”, oder dass sich die Menscheinfeindlichkeit einer wie-auch-immer-angehauchten muslimischen Gemeinschaft nicht am Vorhandensein bzw. der Höhe des Minaretts messen lässt. – Genausowenig wie man vom Grad der Verhüllung einer Frau ablesen kann, wie sehr sie zu Hause unterdrückt wird, oder nicht.

In einer gemeinsamen Mitteilung stellen auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Plattform der liberalen Juden in der Schweiz fest, dass ein Minarettverbot kontraproduktiv ist.

Entscheidender für ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in der Schweiz sei ohnehin, was in den Kirchen, Moscheen und Synagogen vermittelt werde. Es gelte, dort wachsam zu sein, «wo gegen unseren Rechtsstaat verstossendes Gedankengut verbreitet wird».

Statt äusserlich sichtbare Symbole zu bekämpfen wäre es zudem sinnvoller, den interreligiösen Dialog und das Verständnis für andere Religionen zu fördern, heisst es in der Mitteilung.

Einmal mehr macht die fremdenfeindliche Fraktion hinter der Initiative mit Oberflächlichkeiten und Symbolen Propaganda. Nicht um wahre Missstände wie Unterdrückung der Frau (überall) zu bekämpfen, oder um den Frieden auf Erden und den sozialen Zusammenhalt zu fördern, sondern um einmal mehr das Thema Islam im Zusammenhang mit einer Bedrohung für “uns” in die Medien zu pushen. Und dann wären da noch die UNO-Abkommen, gegen die die Antiminarettinitiative verstossen würde. Wieder eine prima Gelegenheit, die Schweiz in der Welt als reaktionären Rassistenstaat darzustellen. Sollte man nicht verpassen, was?

Die Frechheit

Warum ein Minarett einen “Machtanspruch” des Islams symbolisiert und darum verboten gehört, versteh ich bis jetzt immer noch nicht. Vielleicht mögen es Herr und Frau Schweizer einfach nicht, dass irgendwelche Dahergelaufene sich zu ihrem Glauben bekennen und gänzlich frei von verkorksten Schamgefühlen und ohne sich zu Entschuldigen ihre verfassungsmässig garantierte Religionsfreiheit wahrnehmen möchten. Frechheit, sowas. Bleibt als Ausweg nur noch die leer stehenden Kirchen zu übernehmen und die bereits existierenden Kirchtürme etwas umzufunktionieren. So ein Kirchturm stört ja auch niemanden…

Hier (war) noch ein Bericht vom SF über Wil, SG (Schweiz Aktuell vom 3.11.2006). Zu Wort kommen Minarett-Gegner wie auch der Imam des bestehenden Gebetsraumes. Besonders interessant sind aber die Bestrebungen der Lehrer wie auch des katholischen Pfarrers und des Imams, mit den Jugendlichen etwaige Ängste, Unklarheiten und Missverständnisse auszudiskutieren. Der Pfarrer und der Imam gestalten sogar zusammen einen Religionsunterricht in der Kirche, für Muslime und Katholiken gemeinsam, um einander “das andere” näher zu bringen. Wenn das mal nicht fortschrittlich ist!

Übrigens: Ein Baugesuch für ein allfälliges Minarett in Wil ist noch gar nicht eingereicht worden, aber ein Komitee dagegen gibt es schon. Soviel zu Dialogbereitschaft…

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1 Comment

Filed under but seriously..., Demokratie, Law and Ordure, Schöner Wohnen, [andbehold]

One response to “A propos die Kirche im Dorf lassen: Anti-Minarettinitiative

  1. eardrummer

    kotz. brech. würg.

    die scheiss svp kann sich eine scheibe von dem imam abschneiden. und das meine ich jetzt nicht wörtlich.

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